Geburt: Wahlrecht der Frau

Was sagt eigentlich das Grundgesetz?

Wer hätte gedacht, dass es ein Recht auf Hausgeburten gibt? Im Gegensatz dazu existiert kein Recht auf einen Wunschkaiserschnitt. Wir geben einen kurzen Einblick in die Rechte der Frauen während der Schwangerschaft und Geburt.

Rechtliche Grundlagen

 Sandra Werner  / pixelio.de
Sandra Werner / pixelio.de

Schwangere dürfen den künftigen Geburtsort frei wählen. Grundgesetze sichern ihr dieses Recht. Aus diesem Grund müssen genau dieses Grundrecht in den Verträgen zwischen Entscheidungsträgern verankert sein. Bei der aktuellen Hebammendebatte handelt es sich dementsprechend um Verträge zwischen den Krankenkassen und Hebammenverbänden. Mit anderen Worten steht das Recht der Entscheidungsfreiheit über allen rechtlichen Grundlagen.

Patientenrechte

Für die medinische Behandlung ergeben sich folgende Grundsätze. Diese sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) festgehalten:

  1. Medizinische Eingriffe ohne Einwilligung des Patienten sind strafbare Körperverletzungen.
  2. Vor Einwilligung muss eine detaillierte Aufklärung erfolgen (§630 c bis d BGB)
  3. Ohne Einwilligung darf nur innerhalb enger Grenzen gehandelt werden. Beispielsweise bei starkem Blutverlust oder Bewusstlosigkeit des Patienten.

Rechte der Schwangeren

Die schwangere Frau darf folgende Punkte selbst entscheiden. Sie muss sich gemäß dem Grundrecht nicht dafür rechtfertigen. Noch weniger muss die Frau sich an Evidenzen orientieren, die für Ärzte oder Hebammen gelten. Evidenzen sind wissenschaftliche Nachweise. Sie sind die alltägliche Basis für Entscheidungen in Gesundheitsberufen.

  1. Schwangerenvorsorge: ja oder nein?
  2. Welche Diagnostik?
  3. Welche Behandlung?
  4. Arzt, Ärztin, Klinik, Hebamme oder keiner?

Recht auf Hausgeburt

Gleichzeitig haben Schwangere kein Recht auf einen Wunschkaiserschnitt. Aus diesem Grund gab es 2013 für alle Eingriffe dieser Art in Deutschland eine Indikation, sprich eine ärztliche Begründung. Daraufhin übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

2010 bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschrechte, dass ein Recht auf Hausgeburt grundsätzlich besteht.

Im fünften Sozialgesetzbuch, “§24f Entbindung” ist Folgendes gesetzlich festgelegt:

“Die Versicherte hat Anspruch auf ambulante und stationäre Entbindung. Die Versicherte kann ambulant in einem Krankenhaus, in einer von einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger geleiteten Einrichtung, in einer ärztlich geleiteten Einrichtung, in einer Hebammenpraxis oder im Rahmen einer Hausgeburt entbinden.” (§24f, SGB V, Quelle: https://dejure.org/gesetze/SGB_V/24f.html)

Dieser Anspruch auf Leistungen rund um die Geburtshilfe ist nicht von anderen Bedingungen abhängig.

Noreen Naranjos

freie Pädagogin & Autorin

“Das sinkende Hebammenschiff”

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